Sammlung Henkel: Abstrakt, farbig, glatt

von Eric H. Gutzler

 

Seit 1970 sammelt Gabriele Henkel zeitgenössische Kunst und baute für das Unternehmen Henkel eine umfangreiche Kunstsammlung auf, die inzwischen mehrere Tausend Werke umfasst.
Nachdem bereits vor einigen Jahren bei DuMont eine zweibändige Ausgabe über die für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Sammlung erschienen ist (der erste Band zeigte Gemälde und andere Werke der Klassischen Moderne und der Kunst des 20. Jahrhunderts, der zweite Band Artefakte und Textilien aus verschiedenen Kontinenten), gibt jetzt die Kunstsammlung NRW im K 20 in Düsseldorf einen Einblick in die Sammlung. Gezeigt werden vierzig Werke, deren Auswahl und Hängung Gabriele Henkel selbst vorgenommen hat, sodass man davon ausgehen kann, dass es sich um Lieblingsbilder der Sammlerin handelt.
Da ich den Inhalt der beiden erwähnten Bände nicht kannte, hatte ich vor dem Besuch die Befürchtung, Frau Henkel gehöre zu den Sammlern, die – beraten von einem Kreis von Kunstexperten, Kunsthändlern und Galeristen – kaufen, was dem jeweiligen Zeitgeist entspricht, was als Investment die höchste Wertsteigerung erwarten lässt und was sich schließlich als Spekulationskollektion ohne Profil erweist.
Diese Befürchtung stellte sich als grundlos heraus. Wie die gut informierte Führerin beim Gang durch die Ausstellung erklärte, habe die Sammlerin von Anfang an das Ziel gehabt, die Kunstobjekte nicht fürs Depot zu kaufen, sondern mit den Bildern die Geschäftsräume, Büros, Flure und Treppenhäuser des Unternehmens in Holthausen auszustatten. Dazu habe sie die Frage gestellt, was passe zu Henkel, und drei Kriterien formuliert: die Malerei müsse abstrakt sein, sie müsse farbig sein und die Bildoberflächen müssten glatt wirken (weil dadurch eine Verbindung zu den Produkten des Unternehmens, den Wasch- und Reinigungsmitteln, hergestellt werden könne).
Die Düsseldorfer Ausstellung gliedert sich in vier Teile: in Werke der Klassischen Moderne, in abstrakte amerikanische Colourfield-Malerei, in Werke deutscher Künstler und (besonders überraschend) seltene Teppiche. In der Werkgruppe der Klassischen Moderne begegnet der Besucher Robert Delauny und u. a. Albert Gleizes, in der amerikanischen Gruppe überragt Frank Stella mit einem großformatigen Bild aus seiner persischen Serie (dieses Bild ist meiner Ansicht nach viel eindrucksvoller als sein Gegenstück im Museum Ludwig in Köln), deutsche Künstler sind durch Heinz Mack, Gerhard Richter und Günther Uecker gut vertreten.
Dass die Sammlerin durchaus bereit ist, von ihren Prinzipien abzuweichen, zeigt die Ausstellung mit einem schwarzen Nagelbild von Uecker und gegenständlichen Gemälden von Konrad Klapheck und Horst Münch.
Die Führerin ging detailliert auf einzelne Bilder ein und berichtete u. a., Frau Henkel sammle fast ausschließlich Werke männlicher Künstler, habe eine kleine Privatsammlung, die sie niemandem zeige, sei mit Frank Stella eng befreundet, der ihr bei der Auswahl amerikanischer Künstler helfe, und sei auch sonst in der Szene bestens vernetzt.
Wer sich nach dem Besuch über das Urteil der überregionalen Presse zur Qualität der ausgestellten Werke informieren will, findet aber … nichts. Bislang wurde die Ausstellung ignoriert.

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