27.11.17 15:46

Förderpreisverleihung 2017

Von: Barbara Jakoby

 

Förderpreis für Sarah Hülsewig und Manuela Klauser


Der Kreis der Freunde des Instituts für Kunstgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zeichnet jedes Jahr herausragende Abschlussarbeiten und Dissertationen aus. Die Förderpreise 2017 übergab die Vorsitzende des Fördervereins Dr. Sandra Abend am 15. November an Sarah Hülsewig und Manuela Klauser. Die Masterarbeit ist mit 500 Euro und die Dissertation mit 1000 Euro dotiert.
Die Jury, bestehend aus Helga Smitz, Margrit Hammerschmidt, Dr. Karin Land, Ingeborg Mertens und Annemarie Opel-Brüggemann, würdigte Sarah Hülsewigs Masterarbeit „Bildtitel im Surrealismus. Komik in der Titel-Bild-Beziehung“. Ausgangspunkt war ihre Beobachtung, dass die meisten Besucher einer Ausstellung durch die Beschilderung der jeweiligen Werke eine Erklärung für das Betrachtete erwarten. Oft aber sei das Ergebnis eher Unverständnis oder Amüsement. Hülsewig hat surrealistische Arbeiten bekannter Künstler wie Man Ray, Max Ernst und René Magritte auf das „komische Spannungsverhältnis zum Titel“ untersucht. Sie machte dies am Beispiel von Man Rays berühmter Fotografie „LeViolon d'Ingres“ deutlich. Das Werk spiele mit zwei Bedeutungsebenen. Zum einen sei der Titel im Französischen ein geflügeltes Wort für „Steckenpferd, Hobby“. „Dass Man Rays ,Hobby' die Frauen waren, ist hinlänglich bekannt“, sagt Hülsewig. Ingres sei aber auch der Name eines klassizistischen Salonmalers, der nachweisbar mit einem seiner Rückenporträts Man Ray inspiriert habe. Hülsewigs Fazit: Eine vollständige Entschlüsselung der Titel-Bild-Beziehung sei nur durch ein umfassendes und breites Vorwissen des Betrachters möglich. „Der Titel ist Teil des Kunstwerks und darf nicht übersehen werden.“ Am Rande der Preisverleihung sagte Hülsewig, ihr Forschungsergebnis könne durchaus auch als Appell an Museen verstanden werden, mit ausführlichen Erläuterungen Besuchern den Zugang zu den ausgestellten Kunstwerken zu erleichtern. Betreut wurde Sarah Hülsewig von Prof. Hans Körner. Er   sagte er in der Laudatio auf seine Studentin, sie habe mit ihrer Masterarbeit eine „originelle, ausgesprochen eigenständige Leistung von ungewöhnlich hohem theoretischem Niveau vorgelegt“.

Die zweite Preisträgerin, Manuela Klauser, hat sich in ihrer Dissertation „Ikonische Kirchen – Zeichen lebendigen Glaubens. Geschichte und Theorie des Pfarrkirchenbaus an Rhein und Ruhr zwischen Historismus und Moderne“ mit der Neugestaltung der Sakralarchitektur der beiden christlichen Konfessionen in dieser Zeit beschäftigt. Sowohl in der katholischen wie in der evangelischen Kirche wurden ab 1900 die Gläubigen aktiver als vorher in das liturgische Geschehen einbezogen. Klauser kommt zu dem Schluss, dass die Kirchenarchitektur diese Veränderungen nicht nur reflektiert, sondern vielmehr in intensivem Diskurs mit Theologen, Kunsthistorikern und Architekten aktiv an ihr teilgenommen habe. Bei katholischen Kirchen mündete dies zunächst in eine Weitung des Kirchenschiffs und eine Verkürzung des Chorraumes, bei evangelischen Kirchen zeitweise in eine Haus-ähnliche Architektur. Anhand vieler Beispiele machte Klauser ihr Forschungsergebnis deutlich. Prof. Jürgen Wiener, der die Dissertation betreute, war voll des Lobes über seine Doktorandin. Und nicht nur er: Manuela Klauser erhält für ihre Dissertation in diesem Jahr auch den mit 10 000 Euro dotierten Paul-Clemens Preis des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Mit ihm werden junge Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker bedacht, die über Werke und Fragen der Kunst im Rheinland arbeiten.

Vorgestellt wurde an diesem Tag auch das von Sandra Abend und Hans Körner herausgegebene Buch „Der schöne Mensch und seine Bilder“. Es beschäftigt sich mit dem Körperdiskurs im „Bild“ und bietet dabei zahlreiche Rückblicke in die Kultur- und Kunstgeschichte.

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