11.05.17 09:02

Ringvorlesung "Anthropozän"

Die Frage, ob das „Anthropozän“ als neues Erdzeitalter anzusehen ist, dessen Beginn um 1950 – also im Zuge der Great Acceleration – oder gar schon um 1800 anzusetzen sei, macht den Kern der geowissenschaftlichen Fachdiskussion aus. Hierbei geht es um die Notwendigkeit eines Nachweises, dass Folgen menschlichen Handelns (Emmissionen u.ä.) in globaler Dimension etwa in Ablagerungen nachweisbar sind.
Von dieser Debatte inspiriert, aber doch anders ansetzend, sieht die Ringvorlesung in den interdisziplinären Überlegungen zum „Anthropozän“ eine epistemologische Chance für ein Deutungsmuster, komplexe Relationen von Phänomenen, Prozessen und Akteuren der Moderne zu erkennen, die mit limitierenden und dichotomisch gedachten Begriffen wie Natur, Kultur, Technik etc. nicht hinreichend beschreibbar sind.
Künstlerische Arbeiten und ästhetisches Forschen scheinen die mit dem Titel „Anthropozän“ adressierten, relationalen Stabilisierungen von menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren  nochmal anders reflektieren zu können, als es natur-, sozial- und kulturwissenschaftliche Ansätze vermögen. So stellt sich die Frage, was die Kunst vom Anthropozän weiß. Mit welchen Formen, Strategien und Materialitäten macht sie die Ökologien von Materie, Körpern, Technologien und Wissen wahrnehmbar, erfahrbar, spürbar? Was sind ihre Szenarios?  Und kann Kunst als eigenständige Theoriebildung und Forschungspraxis zum Anthropozän angesehen werden – und nicht (nur) als dessen Darstellung oder Verbildlichung?

Die Ringvorlesung "Kunst und Anthropozän" bildet ein Forum des Austauschs zu diesen und weiteren Fragen der künstlerischen, der kuratorischen, der kunsttheoretischen Praxis.
Sie ist Teil des von der Heinrich-Heine-Universität geförderten undefinedForschungsprojektes „Das Anthropozän sichtbar machen. Bildwelten der Natur zwischen Kunst, Ethik und Wissen“.


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