09.04.18 12:10

Düsseldorf, 23. bis 26. September 2018

Sommerschule: Kulturkonflikte im jüdisch-europäischen Kontext (1900-1939)

Die europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ist nicht ohne die deutsch-jüdischen Beziehungsverflechtungen denk- und verstehbar. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich die Konzepte von ‚Kultur’ und ‚Nation’ der jüdischen Bevölkerung in Europa zu anderen politischen, sozialen undkulturellen Programmen verhalten? Juden engagierten sich in intellektuellen und künstlerischen Belangen in den jeweiligen Sprachen der Mehrheitskulturen. Die polyglotten jüdischen und oftmals jiddischsprachigen Künstler und Intellektuellen, die sich in Europa bewegten, dienten nicht nur als Träger von travelling concepts: Die diskriminierenden Bedingungen der kulturellen Anbindung an das Europäische verlangten nach „transversalem“ Denken, nach ständig neuer Verortung der Minoritätskultur, nach Klärung der Beziehungen zwischen den Paradigmen des Jüdischen und des Europäischen. Das Untersuchungsfeld vereint Forschungen aus den Kunstwissenschaften, der Germanistik, der Jiddistik, den Jüdischen Studien und der Geschichtswissenschaft und soll aus diesen verschiedenen Perspektiven im deutsch-französischen Dialog beleuchtet werden. In diesem Kontext verspricht insbesondere die Kulturtransfertheorie einen anderen Blick auf die Geschichte der deutsch-jüdischen Beziehungen. So akzentuiert der Ansatz einer histoire croisée die wechselseitigen Abhängigkeiten jenseits möglicher Asymmetrien in Kulturbeziehungen; die translational studies analysieren insbesondere die kulturellen Übersetzungsleistungen der Akteure, wobei die Kategorien Hybridität, Konflikt und Widerspruch, die in den aktuellen kulturwissenschaftlichen Debatten eine große Rolle spielen, in die zu diskutierenden Projekte einbezogen werden sollten. Interessant ist an diesem Ansatz, dass hier nicht nur geglückte Vermittlungsprozesse betrachtet werden, sondern auch und besonders die Interferenzen und Konkurrenzverhältnisse, die Krisen und das Scheitern sowie jene fruchtbaren Missverständnisse thematisiert werden, welche jeden Transfer begleiten.

Begleitende Dozentinnen:
Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch, Professorin für Kunstgeschichte (Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf)
Prof. Dr. Nicole Colin, Professorin für Deutsche Kulturwissenschaft (Aix-Marseille Université und
Universiteit van Amsterdam/DIA).
Prof. Dr. Marion Aptroot, Professorin für Jiddistik (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)
Prof. Dr. Efrat Gal-Ed, Professorin für Jiddistik (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)
Prof. Dr. Irene Zwiep, Professorin für Hebräisch und Judaistik an der Universität von Amsterdam.


Teilnahmebedingung:
Einreichen eines kurzen Abstracts zu einem eigenen Projekt im angegeben
Themenfeld bei Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch und Prof. Dr. Nicole Colin bis zum 30. April 2018.
Es werden die Unterkunftskosten in Düsseldorf für vier Nächte übernommen sowie ein Reisekostenzuschuss in Höhe von bis zu 150 Euro gewährt. Die Unterrichtssprachen sind Deutsch/ Französisch/Englisch.


Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch
Institut für Kunstgeschichte
Heinrich-Heine-Universität
Universitätsstr. 1, Geb. 23.32 29
D-40225 Düsseldorf
huelsen-esch@phil.hhu.de

Prof. Dr. Nicole Colin-Umlauf
Département d’Allemand
Aix-Marseille Université, avenue Robert Schuman
F-13628 Aix-en-Provence
nicole.colin-umlauf(at)univ-amu.fr

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