Super Meta Maxi! Jean Tinguely – Künstler ohne Grenzen

Eine einmalige Retrospektive beleuchtet im Düsseldorfer Museum KunstPalast alle Facetten des Schweizer Maschinenkünstlers, der vor 25 Jahren gestorben ist. Zwei Führungen für den Freundeskreis am 5. Juli 2016.
Der Rundgang startet bei den ganz frühen, leisen, sich zweckfrei bewegenden filigranen Drahtobjekten, und führt dann zu Maschinen, die selbst Zeichnungen herstellen können und damit das Bild vom Künstlergenie konterkarieren: „Le Cyclograveur“ 1960, eine Graviermaschine mit Fahrradantrieb; der Radfahrer erzeugt durch das Treten der Pedale eine Zeichnung.
Tinguely baut dann als künstlerischer Allesverwerter die unterschiedlichsten Gegenstände in seine Skulpturen ein. Die Kunstwerke werden immer größer. Und immer lauter; deshalb dürfen in der Ausstellung einige Objekte nur alle 10 Minuten in Bewegung gesetzt werden. Das „Ballett des pauvres“ von 1961 zeigt alte abgenutzte Alltagsdinge, die von der Decke hängen. Wenn der Motor läuft, wird der Abfall lebendig und hüpft klirrend und scheppernd herum: das Ballett der Armen. Das „Requiem für ein totes Blatt“ ist eine zehn Meter breite Maschine mit 200 Rädern, die durch Riemen miteinander verbunden sind und sich gleichzeitig bewegen.
Die Großinstallation „Grosse Méta-Maxi-Maxi-Utopia“ von 1987 füllt eine riesige Halle und kann betreten und bestiegen werden. Die Maschine vereint viele Gegenstände, z. B. ein Karussellpferd, einen auf dem Kopf stehender Gartenzwerg, ein Pissoir, eine Keramikvase, einen Balkon mit Blumen, Teile eines Rennautos, Fahrradfelgen als Hommage an Marcel Duchamp und unendlich vieles mehr.
Zum Abschluss, sehr bedrückend in einem abgedunkelten Raum die riesige Memento-Mori-Altaranlage von 1986 „Mengele-Totentanz“. Unheimliche Maschinen setzen sich mit schrillen Geräuschen in Bewegung und werfen geisterhafte Schatten an die Wände. Tinguely hat viele Objekte von einem abgebrannten Bauernhof in die Skulpturen eingebaut, verkohlte Balken, Landmaschinen, Haushaltsgeräte, Tierskelette... Beim „Transportband des Todes“ hat der Künstler sogar einen Menschenschädel eingebaut. Der Titel spielt auf die Konzentrationslager der Nationalsozialisten an; der Name Mengele findet sich aber auch auf den Landmaschinenteilen aus einer schwäbischen Fabrik. Das Ganze ist wie ein gigantischer Altar aufgebaut.
Frau Margret Nitsch danken wir für die Organisation dieses andersartigen Kunsterlebnisses.
In der „WELTKUNST“ schreibt Lisa Zeitz, dass der Name Tinguely, Schweizerisch ohne Nasal ausgesprochen, sich wie eine fröhliche Fahrradklingel anhöre. Eine Aussage, die gut zu vielen Werken des Schweizer Künstlers passt!

Paul Land

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