Eine Reise von Breslau nach Krakau

Breslauer Stadtwappen auf Straßenbahn

Text und Bild: Dr. Anna Schiller

 

Vom 22. bis 29. Mai 2016 hatte Frau Helga Smits für den Freundeskreis eine Studienreise nach Südpolen über die Reiseagentur Rotala organisiert. Ziele waren Breslau und Krakau, und es waren Exkursionen in die Umgebung beider Städte vorgesehen. Einige der 30 Teilnehmer besuchten diese Region zum ersten Mal, und es sollte sich als eine besonders eindrucksvolle Entdeckung zeigen.

Um die Sehenswürdigkeiten der Stadt Breslau/Wroclaw, unser erstes Reiseziel, besser einzuordnen, soll vorab ein kurzer historischer Überblick erfolgen. Die Legende besagt, dass Breslau von Graf Vratislav von Böhmen gegründet wurde. So befindet sich im vierten Feld des Stadtwappens, das z.B. auch auf Straßenbahnen zu sehen ist, neben dem böhmischen Löwen, dem schlesischen Adler, und dem Haupt des Evangelisten Johannes, der Buchstabe W, der für den früheren Stadtnamen Wratislavia steht. In der Mitte des Wappens, in einem Kreis, ist das Bildnis des Johannes des Täufers dargestellt, einer der Schutzpatronen Breslaus.

Denkmal für Boleslaw I. Chrobry, an der Schweidnitzer Str. Breslau, 2007

Breslau, das an der Oder liegt, erlebte seit dem Mittelalter eine wirtschaftliche Blütezeit, denn durch diese Stadt führten nicht nur die Bernsteinstraße, sondern auch die Handelswege der alten Straße, auf der Salz transportiert wurde.
Bereits im 7. Jahrhundert siedelten auf der Dom- und Sandinsel der Stadt slawische Stämme, doch die erste offizielle Erwähnung Breslaus datiert aus dem Jahr 1000, als hier ein polnisches Bistum errichtet wurde. Diese Gründung geht auf Kaiser Otto III. zurück, als er am Grab des Bischofs Adalbert von Prag, heute einer der Schutzheiligen Polens, auf den Piastenfürsten Boleslaw Chrobry traf. Adalbert, der frühere Hauslehrer von Otto, war kurz zuvor auf einer Missionsreise östlich von Danzig ermordet worden, dessen Leichnam wurde von Chrobry aus dem heidnischen Osten zurück geholt und in der neuen Kirche von Gnesen bestattet. Als Dank dafür ernannte Kaiser Otto III. Gnesen zum Erzbistum und ordnete diesem neben Krakau und Kolberg auch Breslau als neues Bistum zu. Bei dieser Begegnung setzte der 20-jährige Kaiser seine Krone probeweise auf das Haupt Chrobrys, der diesen Akt als Anlass nahm, sich danach krönen zu lassen und als Boleslaw I. Chrobry, der Tapfere, als erster König in die Geschichte Polens einging.
Chrobrys Denkmal in Breslau an der Schweidnitzer Straße in der Nähe der Corpus Christi Kirche wurde 2007 an jener Stelle enthüllt, an welcher bis 1945 das Denkmal Kaiser Wilhelms I. gestanden hat.

Daran kann bereits die wechselhafte Geschichte Breslaus erahnt werden, das zuerst Hauptstadt des Herzogtums der schlesischen Piasten wurde und ab 1335 zum Heiligen Römischen Reich gehörte. Breslau stand seit 1335 unter böhmischer, ab 1526 unter habsburgischer, 1741 kam es unter preußische Herrschaft und 1945 wurde diese Stadt wieder polnisch. Durch diese vielfältigen Einflüsse ist die Stadt Breslau heute ein wichtiger Ort, um sich mit der kulturellen Entwicklung der Europäischen Union im Zuge ihrer Erweiterung auseinanderzusetzen. Mit über 630.000 Einwohner ist sie die viertgrößte Stadt Polens und Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesiens, eine der 16 Landeseinheiten, die mit Deutschlands Bundesländer vergleichbar sind.

Foyer des Nationalen Forums für Musik, Breslau, 2013

Sonntag, 22.05.2016
Vier Stunden nach der Landung auf dem Breslauer Flughafen war am Abend im Nationalen Forum für Musik ein Konzert des Breslauer Barockochesters vorgesehen, das vorab wahlweise gebucht werden konnte. Wir hörten Johann Sebastian Bachs Himmelfahrtsoratorium BWV 11, Kantate BWV 172 und Bachs Messe A-dur BWV 234, doch beachtenswert war auch das Gebäude des Forums, ein multifunktionaler Musiktempel mit vier Sälen, in dem unter anderem die Philharmonie ihren Sitz hat. Es wurde auf dem Platz der Freiheit nach Plänen des polnischen Architektenateliers Kurylowicz & Associates entworfen und anlässlich der Ernennung Breslaus zur Kulturhauptstadt 2016 im September 2015 eröffnet.

Dombrücke und Statue der hl. Hedwig Hintergrund: Kathedrale und Heiligkreuzkirche

Montag, 23.05.2016
Auftakt zu Breslaus Stadtbesichtigung war die ehemalige Jahrhunderthalle, die als Mittelpunkt einer Ausstellung zur Hundertjahrfeier des Siegs über Napoleon bei der Völkerschlacht bei Leipzig geplant war. Sie wurde von Max Berg entworfen, 1911-13 gebaut und war damals mit der Überdachung einer Stahlbetonkuppel von 65 Meter Durchmesser eines der modernsten Gebäude Europas. Auf dem Platz davor wurde 1948 Stanislaw Hempels 96 Meter hohe Stahlnadel errichtet. Über das Gelände der alten Ausstellungsfläche bummelten wir zu einem ovalen Teich und genossen bei strahlend blauem Himmel die Wasserspiele zu Richard Wagners Der Ring des Nibelungen.
Auf der Dom- und Sandinsel setzten wir unsere Besichtigung in Begleitung unserer Reiseleiterin Iwona Jaworska-Brach fort, die uns seit der Begrüßung am Flughafen Breslau bis zur Abreise über Kultur, Geschichte, Politik, Religion und Geografie umfangreich informierte. Davon wird, um die Stringenz des Reisethemas beizubehalten, jedoch nur ein Teil mit einfließen. Auf der Dom- und Sandinsel begann vor 1000 Jahren die Geschichte Breslaus, und hier führte auch die Salzstraße durch. Im 19. Jh. wurde der nördliche Arm der Oder aufgefüllt, so dass es keine Inseln mehr gibt, sondern lediglich Halbinseln, die mit dem Festland verbunden sind. Auf der Sandinsel besichtigten wir die Kirche Maria auf dem Sande, ein eher abweisend massiger Kirchenbau, der im 14. Jh. an der Stelle eines romanischen Gebäudes aus dem 12. Jh. errichtet wurde. Die barocke Ausstattung des 16. Jh. wurde durch einen Brand gegen Kriegsende zerstört. Beim Wiederaufbau orientierte man sich wieder am gotischen Stil, wobei auch das Sterngewölbe im Hauptschiff rekonstruiert wurde.

Über die 1892 gebaute Dombrücke, mit Gustav Grunenbergs Sandsteinfiguren der Schutzheiligen Breslaus, Johannes der Täufer und der heiligen Hedwig von Andechs, gelangten wir zur Dominsel und zur Kathedrale Johannes des Täufers.

Bischof Friedrich von Hessen

Auf Anregung Hedwigs von Andechs entstand 1203 das erste Frauenkloster in Schlesien, das Zisterzienserkloster in Trebnitz. Auf Darstellungen ist sie leicht zu erkennen, denn sie trägt stets das Miniaturmodell eines Klosters in den Händen. Es gilt zu wissen, dass es in Polen eine zweite heilige Hedwig gibt. Sie wurde als Hedwig von Anjou 1373 geboren und als Erbin des letzten männlichen Piastenherzogs 1384 zum „König“ von Polen gekrönt. Infolge ihrer Heirat mit dem litauischen Großfürsten Jagiello 1386 entstand nicht nur die Personalunion zwischen dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen, sondern, weil sie früh starb und kinderlos blieb, ging die Herrschaft der Piasten in die Jagiellonendynastie über. Sie ruht in der Wawel Kathedrale in Krakau.

Breslaus Kathedrale Johannes des Täufers entstand im 14. Jh., doch gibt es an ihrem Bau Stile von mehreren Epochen. Drei Viertel der Kathedrale sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, doch sie wurde rekonstruiert, und die beiden Spitztürme wurden 1991 hinzugefügt. Das östliche Ende mit den 21 Kapellen ist in der ursprünglichen Form erhalten. Die barocke Kapelle der heiligen Elisabeth wurde vom Breslauer Bischof Friedrich von Hessen in Auftrag gegeben, und sie entstand 1680 bis 1700 nach Entwürfen der italienischen Künstler Giacomo Scianzi und Demenico Guidi. Die große Figur der Elisabeth am Hauptaltar ist ein Werk des Bildhauers Ercole Ferrata, einem Meisterschüler Gianlorenzo Berninis. Ihr gegenüber kniet Bischof Friedrich von Hessen, der Stifter der Kapelle. Diese Kapelle war als seine letzte Ruhestätte geplant, doch wollte er damit auch an die Nichte der  Hedwig von Andechs erinnern, die heilige Elisabeth von Thüringen, deren Nachkomme er war.
Die Kurfürstenkapelle/Fronleichnamskapelle, die wir danach besichtigten, gehört zu den bedeutenden Barockbauten Polens. Sie entstand 1716 bis 1724 nach Entwürfen des Wiener Hofarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach. Die Kapelle wurde auf ovalem Grundriss gebaut und ist mit verschiedenfarbigem Marmor und vergoldetem Stuck ausgestattet.
Unweit der Dombrücke, vor der St. Martinskirche, steht das etwas unförmige große Denkmal für Papst Johannes XXIII., der sich im Zweiten Weltkrieg für jüdische Verfolgte einsetzte.
Unsere nächste Station war die Universität Breslau. 1702 wurde sie von Kaiser Leopold I. als Jesuitenkolleg Leopoldina gegründet, und bestand aus einer theologischen und einer philosophischen Fakultät. Seit 1945 ist sie ein polnisches Bildungszentrum und ist bis heute auf acht Fakultäten gewachsen. Viele berühmte Wissenschaftler, darunter acht Nobelpreisträger, wie der Atomphysiker Max Born oder der Mediziner Paul Ehrlich, studierten hier. Der berühmteste Saal der Universität ist die Aula Leopoldina, ein prachtvoller Barocksaal, in dem sich über dem Katheder die Skulptur Leopolds I. befindet. Er thront oben in einer Nische unter einem Prunkhimmel, und zu seiner Seite sind die allegorischen Figuren der Weisheit und des Fleißes, die wohl im Sinne seines kaiserlichen Wahlspruchs Klug und beharrlich/ Consilia et industria gewählt wurden. Am Fuße des Thrones sind die beiden abgewiesenen Allegorien der Dummheit und der Zwietracht.

Breslau, Universität, Aula Leopoldina, 1721-41

Die Statuen seiner beiden Söhne und Nachfolger, Kaiser Josef I. und Kaiser Karl VI., stehen links und rechts auf dem Podium. Im hinteren Teil des Raumes befindet sich auf der Empore die Büste des Grafen Johann Anton von Schaffgotsch, der Kaiser Karl VI. bei der Eröffnung der Aula 1734 vertrat. Der Saal ist mit Stuckarbeiten und Skulpturen von Franz Joseph Mangoldt und mit herrlichen Gemälden und Fresken von Christoph Handke geschmückt.
Die Universität war Ausgangspunktpunkt für einen Spaziergang durch die schachbrettartig angelegte Altstadt, deren Herzstück der 212 mal 175 Meter große Hauptmarkt ist. Wie früher üblich, wurde er als Ring/Rynek bezeichnet. Unser Weg dahin führte über die kleine Gasse Stare Jatki (Alte Fleischbänke). Im 13. Jh. wurden hier Geflügel und Fleisch aus dem städtischen Schlachthof zerlegt und verkauft. Eine Skulpturengruppe mit Hase, Huhn, Ziege, Schwein und Ente erinnert an diese Zeit. Heute gibt es hier in den kleinen Läden Galerien und Künstlerateliers.
Das Rathaus auf dem Hauptmarkt ist ein besonderes Beispiel gotischer Architektur. Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt es der Neugestaltung von 1470 bis 1510. Die Gebäude, die rings um den Hauptmarkt stehen, weisen Baustile aus der Zeit der Renaissance bis zum 20. Jh. auf. Beispiele der schönsten Barockbauten sind das Haus der Goldenen Sonne, 1727 von Johann Lucas von Hildebrandt erbaut, und das Haus der Sieben Kurfürsten, dessen Fassade 1672 mit ockerfarbenen Freskenmalereien von Giacomo Scianzi geschmückt wurde. Darauf sind Abbildungen von Kaiser Leopold I. und den sieben Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation zu sehen.

Haus der Sieben Kurfürsten, Freskenmalerei von Giacomo Scianzi, 1672

Der backsteingotische Bau der Elisabethkirche, die der heiligen Elisabeth von Thüringen gewidmet ist, und die Akolythenhäusern Hänsel und Gretel/Jaś und Malgosia stehen an einer Ecke des Hauptmarktes. Von den über 100 Kirchen Breslaus, von denen die überwiegende Mehrheit römisch-katholisch ist, zählt die Elisabethkirche mit dem 91,5m hohen Turm zu den größten und ältesten Kirchen der Stadt. Im 13. Jh. gab es hier einen romanischen Kirchenbau, an dessen Stelle im 14. Jh. die heutige dreischiffige Basilika im gotischen Stil gebaut wurde. Im Zuge der Reformation wurde sie als eine der ersten Kirchen Schlesiens evangelisch und war von 1525 bis 1945 evangelische Hauptkirche Breslaus. Seit 1945 ist sie katholische Garnisonskirche der Stadt.

Schweidnitz, Friedenskirche, Familienloge Graf Johann Heinrich v. Hochberg, 1698

Dienstag, 26.05.2016
Mit dem Bus, bzw. dessen Fahrer Josef, der uns wohlbehalten zu allen Besichtigungspunkten brachte, fuhren wir nach Schweidnitz, um die evangelische Friedenskirche aus dem 17. Jh., die größte Fachwerkkirche Europas, zu besichtigten. Die in Schlesien regierenden katholischen Habsburger genehmigten im Rahmen des Westfälischen Friedens, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, den Bau von drei protestantischen Kirchen in Schweidnitz, in Jauer und in Glogau (die nicht mehr existiert). Für deren Bau gab es strenge Auflagen. Sie durften nur aus Holz, Stroh und Lehm gebaut werden, keinen Glockenturm besitzen und die Bauzeit durfte nicht länger als ein Jahr sein. Der Grundstein der Schweidnitzer Friedenskirche wurde 1656 gelegt, und schon nach 10 Monaten wurde der erste Gottesdienst gefeiert. Die auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes gebaute Kirche wurde nach und nach prachtvoll geschmückt: mit der Kanzel, der Orgel, einem Hochaltar, mit Deckengemälden, es gibt einen Glockenturm und begüterte Familien ließen sich eigene Logen bauen. Die schönste, reich verzierte Loge wurde 1698 für die Familie des Grafen Hochberg errichtet, der 2000 Eichen, d.h. zwei Drittel des notwendigen Bauholzes, gespendet hatte.

Grüssau, Mausoleum der schlesischen Piasten, Bolko II von Schweidnitz (1308-1368)

Das nächste Ziel war  Hirschberg am Fuß des Riesengebirges. Auf dem Weg dahin gab es herrlich blühende Rapsfelder und in der Ferne den 1600m hohen Gipfel der Schneekoppe. Hirschberg gelangte im 16. Jh. als Zentrum der Tuchmacher zu großem Reichtum, doch die ausgebeuteten Tuchweber verarmten mit der Zeit. Der Schlesische Weberaufstand 1844 wurde im Theaterstück Die Weber von Gerhart Hauptmann, der in der Nähe von Hirschberg wohnte, thematisiert. Das historische Zentrum ist der Marktplatz mit den farbenfrohen Arkadenhäusern und mit dem Rathaus, das stilistisch den Übergang vom Barock zum Klassizismus markiert. Durch die Fußgängerzone führte unser Weg an der Kirche Unserer Lieben Frau mit zwei Büßerkreuzen an den Außenmauern vorbei. Durch das Schildauer Stadttor, ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung, gelangten wir zur Garnisonskirche zum Heiligen Kreuz. Sie entstand von 1709 bis 1718 als eine jener sechs Gnadenkirchen, die nach der Altranstädter Konvention vom Hause Habsburg den schlesischen Protestanten zugestanden worden waren. Sie ist auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes erbaut, und architektonisch orientierte sich der Bau an der Katharinenkirche von Stockholm.
In der Nähe zur tschechischen Grenze und 17 Kilometer südlich von Hirschberg liegt die Stadt Krummhübel mit der mittelalterlichen Stabkirche Wang aus dem 13. Jh. An ihrem ursprünglichen Standort im südnorwegischen Vang sollte sie durch eine größere Kirche ersetzt werden. Auf Initiative der Gräfin Friederike von Reden gelangte sie 1841 nach Krummhübel. Alle Teile der Kirche sind aus Kiefernholz, nur der Turm ist gemauert, um Wind und Wetter zu trotzen.
Am Ende der heutigen Tagesreise stand der Besuch des Klosters in Grüssau. Das Klostergebäude, die Klosterkirche Maria Himmelfahrt und die unweit davon stehende St.-Josephs-Kirche bilden eine malerischen Gebäudegruppe, die von einer Mauer umgeben ist. Hinter dem Presbyterium ist das Mausoleum der schlesischen Piasten mit Grabdenkmälern der Herzöge von Schweidnitz-Jauer,

Grüssau, Abteikirche Maria Himmelfahrt, 1727-35

Bolko I. von Schweidnitz (1253-1301) und Bolko II. von Schweidnitz (1308-1368). Seit 1242 gab es hier ein Benediktinerkloster, doch Herzog Bolko I. holte 1292 Zisterzienser nach Grüssau. Das Grüssauer Gnadenbild Marias war vermutlich bereits zur Gründungszeit das Ziel von Pilgerfahrten. Um die auf Lärchenholz gemalte, 60 x 37cm große Ikone der Madonna mit dem Jesuskind auf dem Hauptaltar ranken sich verschiedene Legenden. Als wahrscheinlich gilt, dass es vor 1318 von Zisterziensern aus Avignon mitgebracht wurde. Es wurde bei Renovierungsarbeiten 1622 zufällig wiedergefunden, nachdem es 1426 während der Hussitenkriege versteckt worden war. Die St.-Josephs-Kirche entstand 1690-96, und 1727-35 wurde die barocke Abteikirche St. Marien gebaut, deren Entwurf aus dem Kreis um Kilian Ignaz Dientzenhofer beeinflusst wurde. In der Zeit von 1735-47 entstand auch die Fürstenkapelle, eine der schönsten Barockmausoleen der schlesischen Piasten, mit den Sarkophagen Bolkos II., seines Großvaters Bolko I. und dem Adeligen Ladislaus von Zedlitz, der sich um das Kloster verdient gemacht hatte. 1810 wurde das Kloster säkularisiert, 1919 wurde es erneut mit Benediktinern besiedelt, und nach der politischen Wende 1989 nahm die religiöse Bedeutung des Wallfahrtsortes wieder zu.

Oppeln, Rathaus, 1936

Mittwoch, 25.05.2016
Nach drei Übernachtungen im Hotel Park Plaza verließen wir Breslau. Zwischenstopp in Richtung Krakau war die Universitätsstadt Oppeln. Bei einem Rundgang durch das Zentrum beeindruckte das Rathaus auf dem Marktplatz, das 1936 nach dem Vorbild des Palazzo Vecchio in Florenz gebaut wurde. Unser weiteres Ziel in diesem Ort war die gotische Kathedrale zum Heiligen Kreuz,
die im Innern jedoch auch barocke Elemente enthält.
Die Geschichte dieser Kirche reicht bis zur Errichtung einer Holzkirche im Jahr 1002 zurück. Der Bau des heutigen Doms begann 1254, verwandelte jedoch mehrmals sein Aussehen. Erst im Jahr 1900 erhielt er mit der Vollendung der beiden 73m hohen Türme sein heutiges Gesicht. Bis 1532 war diese Stadt Herrschersitz der Herzöge von Oppeln, und für den letzten Piasten-Herzog Jan Dobry († 1532) wurde in der Piasten Kapelle der Kathedrale ein pompöses Grabdenkmal erbaut.
Die Franziskaner kamen im 13. Jh. nach Oppeln, und für 1248 ist die Existenz ihres Klosters belegt. Unter Herzog Bolko I. von Oppeln wurde nach 1307 eine gotische Kirche gebaut, doch das Innere aus dem 16. Jh. ist weitgehend barock. Diese Franziskanerirche diente auch als Schlosskirche, denn in der Nähe befand sich das Schloss der Oppelner Piasten. 1309 wurde die Anna-Kapelle angebaut, in der sich zwei herzögliche Grabmäler befinden: für Bolko I. von Oppeln (1254-1313) und dessen Sohn Herzog Bolko II. von Oppeln ( 1300-1356), und ein weiteres Doppelgrab für Bolko III. (1330-1382) und dessen Frau Anna. In dieser Kapelle gibt es ein Triptychon mit Darstellungen der Hl. Anna, der Hl. Barbara, der Hl. Hedwig von Andechs, wieder mit dem Klostermodell in der Hand, und dem Herzog Wladislaw II. (1326/32-1401), der das Bildnis der Schwarzen Madonna nach Tschenstochau brachte. 1382 gründete er dort die Wallfahrtsstätte Tschenstochau der römisch-katholischen Kirche, dessen Miniaturmodell er auf dem Triptychon der Hl. Anna reicht. Wladislaw II. ist ebenfalls in dieser Franziskanerkirche in Oppeln begraben.

Tschenstochau, Schwarze Madonna. Goldene Rose und Rosenkranz, Votivgaben von Papst Johannes Paul II.

Tschenstochau war eine weitere Zwischenstation am heutigen Tag. Weltweit bekannt wurde diese Stadt durch die Ikone der Schwarzen Madonna im Kloster Jasna Góra/Heller Berg, die als nationales Symbol verehrt wird und jährlich Ziel von mehreren Millionen Pilgern ist. Das Kloster wurde 1382 von Paulinermönchen gegründet, die auf Einladung des Herzogs Wladyslaw II. von Oppeln aus Ungarn kamen, der zuvor das Gnadenbild aus der ukrainischen Stadt Belz  mitgebracht hatte. Das Paulinerkloster überstand viele Belagerungen, so auch die 40-tägige schwedische Besatzung 1655, in der den 3000 Angreifer nur 260 Verteidiger gegenüberstanden. Dieser Erfolg wird neben vielen anderen Legenden dem himmlischen Schutz Marias, d.h. dem Gnadenbild, zugeschrieben, obwohl der irdische Schutz, die 1621 um den Klosterkomplex gebaute Festungsmauer, ebenfalls maßgeblich daran beteiligt war. Das Bild ist 122 x 82cm groß und ist mit Tempera auf eine Lindenholztafel gemalt, die der Legende nach aus dem Tisch der heiligen Familie angefertigt worden war. Ikonografisch ist es vom Typus der Hodegetria, wobei die Muttergottes mit ihrer Hand auf das auf ihrem linken Arm sitzende Kind weist und beide aufrecht sitzend dargestellt sind. Charakteristisch für diesen Typus ist auch die Schriftrolle, die das Kind hält. In diesem Fall ist es eine gebundene Bibel in Jesus linker Hand, die ihn als fleischgewordenes Wort Gottes ausweist. Seine rechte Hand ist zum Segenzeichen erhoben. Maria trägt ein dunkles Gewand mit goldenen Lilienmotiven, und das Kleid des Kindes ist rot, mit goldenem Blumenmuster. Die Köpfe von beiden sind von einem vergoldeten Heiligenschein umgeben und beide Gesichter haben ein sehr dunkle Farbe. Das Bild ist wohl byzantinischen Ursprungs aus der Zeit zwischen dem 6.-14. Jh. Um die Wege, wie es nach Konstantinopel, nach Osteuropa und von dort nach Tschenstochau kam, ranken sich ebenfalls viele Legenden. Nach einer Zerstörung wurde es 1433 vollkommen neu übermalt, wobei es zu einer Vermischung byzantinischer Ikonografie mit den stilistischen Mitteln der europäischen Kunst des 15. Jhs. kam. Heute ist es Altarbild in der Kapelle der wundertätigen Schwarzen Madonna im nördlichen Teil der Kirche, die nach einem Brand 1690 als dreischiffige Basilika aufgebaut und im 18. Jh. fertiggestellt wurde. Links und rechts des Gnadenaltars gibt es Votivgaben, z.B. goldene Rose, Rosenkranz und Herz, Gaben des Papstes Johannes Paul II., und dessen mit Blut befleckter Gürtel, der bei einem Attentat 1981 durchschossen wurde.

Krakau, Marktplatz mit Tuchhallen, Bauzeit 16.-18. Jahrhundert

Donnerstag/Fronleichnamstag 26.05.2016
Seit gestern Abend ist das zentral gelegene Hotel Campanile unsere Unterkunft für vier Nächte in Krakau, somit sind wir von Schlesien nach Kleinpolen gekommen. Der erste Spaziergang führt über die Straße Florianska. Sie verbindet den Marktplatz und das Florianstor, das letzte erhaltene Stadttor der ehemaligen Stadtmauer aus dem 13./14. Jh.. Diese Straße war Teil des Königsweges, der sich zwischen der Florianskirche, die unweit des Florianstores steht und der Burganlage Wawel erstreckte. Auch nachdem Sigismund III. Wasa den königlichen Herrschersitz 1596 von Krakau nach Warschau verlegte (weil Warschau näher zu Schweden liegt, denn er war zugleich König von Schweden), erfolgte die Krönung der polnischen Könige weiterhin in der Schlosskirche des Wawel. Auf diesem Königsweg schritten somit alle Könige zur Krönungszeremonie. Im Krönungsritual war auch die Bestattung des letzten verstorbenen Königs eingebunden, der traditionell einen Tag vor der Krönung zu Grabe getragen und auf demselben Weg von der Florianskirche, wo die Könige stets aufgebahrt waren, in einem festliche Trauerzug zum Grabmal im Wawel gebracht wurde.
In dieser Straße wurde 1838 der polnische Maler Jan Matejko geboren. 1873 kam er hierher in sein Geburtshaus zurück, das heute ein Museum ist. Manche der historischen Gebäude der Florianska Straße haben auf ihrer Fassade Verzierungen mit Tieren, z.B. das Haus mit dem Eichhörnchen. Als die Häuser noch keine Nummern hatten, konnten sie dadurch identifiziert werden.
Krakau wurde nach 1257 nach einem streng vorgegebenen Grundriss gebaut. Diese Auflage galt auch für den Marktplatz, der mit seinen Maßen von genau 200 x 200 Meter damals wie heute Zentrum der Stadt ist. Auf dem Marktplatz gab es im Mittelalter mehrere Gebäude, von denen noch der Rathausturm und das Renaissance Gebäude der Tuchhallen (18 x 108m), die ihren Namen durch den Tuchhandel erhielten, stehen. Hier steht auch noch die kleine St. Adalbert Kirche, ein romanischer Bau aus dem 10./12. Jh., die dem heiligen Bischof Adalbert von Prag geweiht ist.

Der Weg von hier aus bis zu unserem nächsten Ziel, dem Collegium Maius, ist nicht weit. Das Collegium Maius ist der älteste Sitz der Krakauer Akademie, die 1364 von König Kasimir III. gegründet wurde. König Wladyslaw II. Jagiello hatte dieses Haus 1400 aus dem Nachlass seiner Frau Hedwig von Anjou als Sitz der Universität erworben, deshalb heißt sie Jagiellonen-Universität, und deren Räumlichkeiten wurden im 15. Jh. durch andere Stadthäuser erweitert. 1491-95 studierte hier Nikolaus Kopernikus, der die Akademie berühmt machte. Im Innenhof gibt es die gotischen Arkaden aus dem 15. Jh., die an die Kreuzgänge in den mittelalterlichen Universitäten Italiens erinnern. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog hier das 1867 gegründete Universitätsmuseum ein.
Über den Planty-Grüngürtel, der seit dem 19. Jahrhundert die niedergerissene Stadtmauer ersetzt, gingen wir zur Burganlage Wawel, ein Gebäudekomplex inmitten dessen Burgmauern die Königliche Basilika und Erzkathedrale der Heiligen Stanislaus und Wenzeslaus am Wawelhügel, kurz Wawel-Kathedrale genannt und das Königsschloss, die ehemalige Residenz der polnischen Könige, stehen. Das Schloss wurde Anfang des 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil von italienischen Architekten umgebaut, so dass ein eleganter Innenhof in Form eines unregelmäßigen Fünfecks entstand, der den Renaissance Palästen in Florenz nachempfunden war. Die ehemaligen königlichen Gemächer liegen in der ersten Etage und die Empfangsräume, bzw. die Räume für repräsentative Zwecke, z.B. Gesandtensaal (mit den berühmten Kopfskulpturen in der Kassettendecke) und Senatorensaal, liegen im zweiten Stockwerk. Die Innenräume sind prunkvoll gestaltet, die Wände mit kostbaren Wandteppichen geschmückt.
Der Schwerpunkt unserer Führung durch das Königsschloss lag auf der Ausstattung der Wände mit den berühmten Arras-Tapisserien aus der Sammlung des Königs Sigismund II. August (1520-1572). Die ersten Wandteppiche brachte 1518 die italienische Prinzessin Bona Sforza als Mitgift zu ihrer Hochzeit mit dem polnischen König Sigismund I./der Alte mit. Der letzte Jagiellonenkönig, Sigismund II. August, erweiterte die Sammlung und orderte die meisten Stücke, einige davon 5 x 9 Meter groß, aus den renommiertesten Werkstätten Brüssels, das im 16. Jh. das Hauptzentrum dieser Webereien war. Arras ist der Name einer französischen Stadt und einer der Herstellungsorte für diese wertvollen Dekorationsstoffe. Diese Arrassen wurden aus Wolle, Seide, Gold- und Silberfäden gewebt. Hergestellt wurden sie nach Entwürfen von Künstlern der Niederlande, Repräsentanten von höchstem künstlerischen Niveau. Die Themen der Darstellungen sind aus der Bibel, aus der Mythologie, aus der Landschafts- und Tierwelt entlehnt, und es gibt auch Webereien mit Wappen und Monogrammen. Die Sammlung umfasste ursprünglich wohl 170 Stück, wovon 138 erhalten sind. Mit der Zeit waren sie durch verschiedene Umstände weltweit zerstreut, befinden sich jedoch heute wieder als gesamte Kollektion in der Wawel-Sammlung. Zu sehen sind 30 Ausstellungsstücke, die auf die jeweilige Wandgröße abgestimmt sind.

Kathedrale, Krakau, Sigismund-Kapelle, 1519-33

Der nächste Höhepunkt im Schloss war Leonardo da Vincis Frauenporträt Dame mit dem Hermelin. Da Vinci malte es 1489/90 im Auftrag des Herzogs von Mailand Ludovico Sforza. Das 54,7 x 40,3 cm große Bild stellt die Mätresse des Herzogs, die 17 Jahre alte Cecilia Gallerani dar. Die zentrale, ungewöhnliche Darstellung des Hermelins hat zu einer Vielzahl von Interpretationen geführt. Eine Theorie sieht das Hermelin (griechisch galée) als Anspielung auf den Nachnamen der Porträtierten: Gallerani. Andere nehmen Bezug auf den zuvor in Neapel gegründeten Hermelinorden, dessen Mitglied Ludovico Sforza war. Das Bild wurde 1800 vom Fürsten Adam Jerzy Czartoryski erworben, der es seiner Mutter schenkte. Seit 1880 ist es im Besitz vom Czartoryski-Museum Krakau.
Anschließend besichtigten wir die Wawel Kathedrale, die sich auf einem 25 Meter hohen Hügel über dem linken Ufer der Weichsel erhebt. Nach der St.-Wenzels Kathedrale von 1020, nach der Basilika von 1142 für das Grab des heiligen Bischofs Stanislaus aus Szczepanów, der neben Bischof Adalbert von Prag der zweite Schutzheilige Polens ist, steht jetzt hier der nach 1320 gebaute gotische Dom, der von König Wladyslaw I. ebenfalls für die Reliquie des heiligen Stanislaus errichtet wurde. Diese Kirche besitzt drei Türme, und die Seitenschiffe sind von 19 Kapellen umgeben. Die Sigismund Kapelle, von König Sigismund I. 1519 als Mausoleum in Auftrag gegeben, ist eines der schönsten und ersten Renaissancewerke in Polen. In dieser von Bartolomeo Berecci aus Florenz und anderen italienischen Künstlern geschaffenen Kapelle, die von außen mit einer vergoldeten Kuppel bedeckt ist, liegen König Sigismund I., König Sigismund II. August und „König“ Anna Jagiellonica. Eines der letzten Grabdenkmäler, das 1783 vom letzten polnischen König Stanislaw August Poniatowski in Auftrag gegeben wurde, ist das barocke Grab für Johann III. Sobieski († 1696) und seiner französischen Gemahlin Marie Casimire Louise de la Grange d´Arquien († 1716).
Der polnische König Johann III. Sobieski war der Oberbefehlshaber des militärischen Bündnisses, das 1683 der osmanischen Belagerung von Wien erfolgreich ein Ende setzte. Zu Sobieskis erbeuteten Trophäen aus dieser Schlacht stammt auch der Steigbügel des osmanischen Großwesirs Kara Mustafa, der nun am Nagel/Fuß einer gekreuzigten Jesusstatue hängt, die sich gegenüber von Sobieskis Grabdenkmal befindet.
Es gilt noch anzumerken, dass diese Kathedrale nicht nur als Krönungs- und Beerdigungsstätte der polnischen Könige diente, sondern sie war auch die Schlosskapelle zum naheliegenden Schloss.
Hingegen war die Marienkirche auf dem Marktplatz, auch Kirche Maria Himmelfahrt genannt, das Gotteshaus des reichen Patriziats und der Bürgerschaft. Der Umbau zu einer gotische Basilika, die anstelle einer älteren Kirche errichtet wurde, begann im 14. Jh..
Unter den vielen Kunstschätzen sollen hier nur der geschnitzte Hochaltar von 1477-89 und eine in Stein gemeißelte Christusfigur am Kreuz von 1496, zwei beeindruckende Kunstwerke von Veit Stoß, genannt sein. Die Konstruktion des 11 x 13 Meter hohen Hochaltars von Veit Stoß besteht aus Eichenholz, und die 2,7 m hohen Figuren wurden in seiner Werkstatt aus Lindenholz geschnitzt.  An hohen kirchlichen Festen, so auch am heutigen Fronleichnamstag, werden die Flügel geöffnet. Auf sechs Tafeln und einem großen Bild in der Mitte wird hier die Geschichte Marias von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt erzählt. Während des liturgischen Jahres sind die Altarflügel geschlossen und zeigen zwölf Szenen des Leidenswegs Christi.

Jan Matejko und seine Studenten bemalten im 19. Jahrhundert die Wände und Gewölbe des 28 Meter hohen und 80 Meter langen Innenbaus der Marienkirche mit leuchtenden Farben. Im Zuge der damaligen Neugestaltung wurde diese Polychromie mit bunten Glasfenster von Stanisław Wyspiański, Józef Mehoffer und Tadeusz Dmochowski ergänzt.
Diese Kirche aus Backstein erhielt 1478 eine Turmspitze, die als Wachturm der Stadt diente. Von den beiden heutigen Türmen ist der größere Hejnal-Turm von kleinen Türmchen umgeben, ist mit einem goldenen Kranz gekrönt, und der Ruf des berühmten Hornsignals (hejnal) ertönt stündlich in alle vier Himmelsrichtungen.


Die gotische Franziskaner Kirche in Krakau aus dem 13. Jh., der wir einen kurzen Besuch abstatteten, wurde im ebenfalls im 19. Jahrhundert renoviert. Die Malereien im Chor und Querschiff sind von Stanisław Wyspiański, und die acht großen farbigen Jugendstifenster wurden ebenfalls von ihm 1897-1905 geschaffen. Hervorzuheben ist das Hauptwerk der Kirche, das Glasfenster von Wyspiański, das sich über dem Haupteingang befindet und die Überschrift Gott Vater – Werde trägt. Es zeigt Gott den Vater im Augenblick der Schöpfung der Wellt.
Die Franziskaner Kirche hat drei Kapellen, und in der Kapelle der Passion Christi befindet sich eine Kopie des Turiner Grabtuches.

Am späten Nachmittag folgte ein Spaziergang durch das Viertel Kazimierz, das nur einige Straßen entfernt vom Marktplatz liegt. Synagogen und jüdische Inschriften bestimmen das Bild dieses Stadtteils, und dadurch wird von einer Vergangenheit erzählt, in der hier eine der größten jüdischen Gemeinden lebte.
Eine jüdische Gemeinschaft gab es in Krakau bereits im 13. Jahrhundert, doch König Kasimir III. hat in dieser Stadt nicht nur die Universität gegründet, sondern einige Jahre davor diesen Ort, der deshalb seit 1335 auch heute noch seinen Namen trägt. In den folgenden Jahrhunderten gab es auch in Krakau immer wieder Übergriffe auf die jüdischen Menschen, doch 1867 wurden sie der übrigen Bevölkerung formal gleichgestellt und sie durften überall wohnen. Anfang des 20. Jahrhunderts wohnten 70.000 Juden in der ganzen Stadt, die ein Viertel der Gesamtbevölkerung Krakaus stellten. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde alles anders. Im Stadtteil Podgórze wurde 1941 ein Ghetto errichtet, und viele Juden fanden in Ausschwitz den Tod. Heute leben hier noch etwa 1.000 jüdische Menschen.
Die jüdische Verfolgungsgeschichte ist Thema in Steven Spielbergs Film Schindlers Liste. Dieser Film erzählt die Geschichte des Unternehmers Oskar Schindler, der in seiner Emaillewarenfabrik in Krakau jüdische Arbeiter beschäftigte und ihnen das Leben rettete. Kazimierz diente 1993 für diesen Film als Kulisse. Der heutige Tag endete mit einem Abendessen in  in Kazimierz in einem jüdischen Restaurant mit Klezmermusik.
Freitag, 27. 05.2016
Vormittags ging die Fahrt in das Salzbergwerk von Wieliczka, das 12 km südöstlich von Krakau liegt und ein beeindruckendes UNESCO-Weltkulturerbe ist. Wahrscheinlich wurde hier schon im 11. Jh. Salz abgebaut, und dank reicher Salzvorkommen entwickelte sich Wieliczka schnell, so dass es 1290 zur Stadt erklärt wurde. Das Salz, das „weiße Gold“, war so kostbar wie Edelmetalle, war über Jahrhunderte eine gute Einkommensquelle für die polnische Krone und begründete den Reichtum der polnischen Könige. Im Lauf der Jahre wurde in diesem Bergwerk ein enormes Netzwerk unterirdischer Gänge und Kammern geschaffen. Diese Gänge haben eine Gesamtlänge von circa 300 Kilometer und liegen teilweise 327 Meter tief. Salz wurde auch als Baumaterial genutzt für unterirdische Kapellen und Altäre, vor denen die Minenarbeiter sich Gottes Schutz vor Unfällen erbaten. Die Besucher des Bergwerks steigen zunächst 380 Stufen in eine Tiefe von 64 Meter auf die erste Grubensohle herab. Knapp zwei Kilometer lang ist die Touristenroute, die Einblicke in die Grubenarbeit gibt. Von den vielen Attraktion soll hier nur die 18 Meter breite und 12 Meter hohe Kingakapelle erwähnt werden. Der Blick in deren Raum eröffnet sich dem Besucher von einer Treppe herab in den 54 Meter langen Saal, an dessen Decke Kristallleuchter hängen. Die Besichtigung dieses Ortes dauerte etwa drei Stunden und war nur mit Führung möglich.
Nachmittags stand die Besichtigung von Auschwitz an, ein Ort, der wie kaum ein anderer die Schrecken des Holocaust symbolisiert. Zur Zeit der NS-Herrschaft wurden ab 1942 Massendeportationen europäischer Juden in dieses KZ durchgeführt, wo die meisten von ihnen ermordet wurden. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges starben hier und im 3 km entfernten KZ Birkenau, auch Auschwitz II. genannt, rund 1,1 Millionen Menschen – etwa ein fünftel aller Toten des Holocaust. In der Umgebung gründeten die Nationalsozialisten 47 Nebenlager. Das Lager von Auschwitz wurde 1940 auf Befehl von Heinrich Himmler angelegt und diente zunächst als Arbeitslager. Die Gefangenen wurden mit dem zynischen Spruch „Arbeit macht frei,“ der über dem Eingangstor steht, empfangen. Dreimal täglich mussten sie zum Appell antreten, doch wegen der stark ansteigenden Zahl von Gefangenen fanden die Appelle schließlich vor den einzelnen Baracken statt. Im gesamten Komplex gab es sieben Gaskammern und fünf Krematorien. Sechs der Gaskammern wurden in Birkenau gebaut, die erste ging jedoch 1941 in Auschwitz in Betrieb. Hier befand sich auch der Lagerraum für das Gift Zyklon B, das erstmals in Auschwitz eingesetzt wurde. Block 11 war das zentrale Lagergefängnis innerhalb des Konzentrationslagers, von dessen Insassen nur wenige überlebten. Hier gab der später heilig gesprochene Franziskanerpriester Maximilian Kolbe 1941 sein Leben für einen Mithäftling hin. Heute sind beide Lager als Museum und  Gedenkstätte für Besucher zugänglich. 1979 wurde das KZ Auschwitz UNESCO-Kulturerbe.
Samstag, 28.05.2016
Der Naturpark Hohe Tatra, der höchste Teil des Karpaten-Hochgebirges, ist das Ziel der heutigen Busfahrt. Durch eine dünn besiedelte, ländliche Gegend, in der das polnische Bergvolk der Góralen lebt, führte unser Weg zunächst nach Chocholow. Es ist ein Dorf aus dem 16. Jh., an dessen Hauptstraße Holzhäuser stehen, die Beispiele für die Holzhausarchitektur dieser Hochlandgegend sind. Ein weiteres Tagesziel war der Wintersport- und Kurort Zakopane, der bereits 1929 Austragungsort einer Skiweltmeisterschaft war. Nach der Besichtigung einer alten Holzkirche aus dem 19. Jh. fuhren wir mit der Standseilbahn auf den 1.123 Meter hohen Berg Gubalowka, von wo aus sich ein herrlicher Rundblick auf die umliegenden Täler und Berge bot. Der Weg zur Seilbahnstation führte über einen großen Markt, auf dem lokale Produkte angeboten wurden, z.B. traditionelle Hochland-Mokassins aus Leder, Wollpullover, hölzerne Bergstöcke mit traditionellen Griffen, sowie auch einheimische Käsesorten. Zum Mittagessen genossen wir in einem Restaurant die kulinarischen Spezialitäten der Region.
Sonntag, 29.05.2016
Nach einem letzten Bummel über den Marktplatz und durch die Stadt wurden wir mit dem Bus zum Flughafen gebracht und flogen am späten Nachmittag nach Hause.

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenDie Webredaktion des Instituts für Kunstgeschichte