„Auf nach Ägypten!“

Das werden die Künstler Max Slevogt (1868-1932) im Frühjahr 1914 und Paul Klee (1879-1940) fast 15 Jahre später zur Jahreswende 1928/29 begeistert gejubelt haben. Zu Beginn des 20sten Jahrhundert war bei den Künstlern Orientbegeisterung noch immer angesagt. 

Obwohl die Hauptreiseroute im Niltal für beide Maler fast identisch war, hätten die Voraussetzungen, der Verlauf und die Resultate nicht unterschiedlicher sein können.

Slevogt befand sich mit einem Tross von Leuten und Material gewisser-maßen auf einer Malexpedition. Er wirkt in seinem weißen Tropenanzug unfreiwillig wie ein Kolonialherr. Einen Jungen unter seinen Helfern, Mursi, porträtiert er in dieser Manier. Slevogt hoffte durch die Erfahrung des gleißenden Lichts zu neuen Gestaltungsprinzipien zu finden. Er überließ nichts dem Zufall. Seine Helfer mussten Szenen nachstellen – z.B. mit Kamelen und Beduinen in einer Landschaft - , die er vorher gesehen hatte und die er dann bildnerisch mit schnellen Pinselstrichen realisierte. 

Die Freiluftmalerei verhalf ihm im Laufe der Reise zum Wandel von de-tailreich überarbeiteten Werken zu Bildern, die skizzenhaft mit pastosem Pinselstrich wie spontan hingeworfen erscheinen und den atmosphärischen Flair des Orients atmen. Auf dieser Reise entwickelte Slevogt sich zum virtuosen Spätimpressionisten, der seitdem vom Publikum auf einer Stufe mit Liebermann und Corinth gesehen wurde.

Ganz anders Paul Klee. Er war in Ägypten als Bildungsreisender mit einem Baedeker und wenig Gepäck alleine unterwegs. Er malte und zeichnete selten. Klee ließ das Gesehene auf sich wirken und reflektierte und transformierte es erst nach seiner Rückkehr ins Atelier in seine konstruktive Formensprache.

Für beide Maler waren neben den Monumenten die afrikanische Land-schaft und das Licht das Wichtigste ihrer Reise. Slevogt gab das Gesehene mit pastosen Pinselstrichen als exotische Impression wider. Klee übersetzte es viel später zeichenhaft in Farbe und Linie. 

Die Gegenüberstellung ihrer Werke in dieser Ausstellung macht die grundlegenden Umbrüche an der Schwelle vom Impressionismus zur klassischen Moderne sichtbar. 

Text: Dr. Karin Land

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