Schloss Benrath macht Staat. Glanzvolle Empfänge in der Landeshauptstadt Düsseldorf von 1950 bis 1989

An große Ereignisse erinnerte Melanie Florin am 2. Dezember 2014 bei einer spannenden Führung durch die von ihr kuratierten Ausstellung im Museum für Europäische Gartenkunst   der Stiftung Schloss und Park Benrath. 

Vierzig Jahre lang stellte die Stadt Düsseldorf, Hauptstadt des bedeutendsten Bundeslandes, der nordrhein-westfälischen Landesregierung die Festräume des Corps de Logis von Schloss Benrath für hochrangige Empfänge zur Verfügung. Monarchen und Staatspräsidenten aus   vielen Teilen der Welt waren auf Benrath zu Gast. Das ehemalige kurfürstliche Lustschloss   mit seiner spätbarocken Architektur und den festlichen Dekorationen, sein Vorplatz und der Park bildeten dafür den „würdigen und eindrucksvollen Rahmen“.  

Fotos und Dokumente erinnern an die lange Liste der Besuche von politischen Größen und   gekrönten Häuptern. 1954 war der äthiopische Kaiser Haile Selassie I. der erste Staatsbesucher in der noch jungen Bundesrepublik. Deutschland ist damit auf das internationale diplomatische Parkett zurückgekehrt. Der Schah war zweimal zu Besuch. 1955 in Begleitung von Soraya, 1967 mit Farah Diba. Königin Elisabeth II. (1965) und Staatsmänner   wie François Mitterand und Michail Gorbatschow (1989). Besondere protokollarische Probleme gab es 1987 beim Staatsbesuch von Erich Honecker. 

Diese Veranstaltungen mit bis zu 300 Beteiligten bedingten aber auch Eingriffe in die historische Bausubstanz des als Maison de Plaisance für den Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz konzipierten Rokokoschlösschens, z. B. den Einbau einer Küche mitsamt Speiseaufzug, und hinterließen manche oft irreparable Schäden an Bauwerk und Einrichtungen. Die Problemstellung zwischen der musealen Präsentation des Schlosses (mit einem geregelten Raumklima) und repräsentativen oder kulturellen Nutzungen ist auch heute nur teilweise   gelöst. Es gibt zwar keine repräsentativen Großereignisse mit Banketten mehr, aber die Düsseldorfer Bürgerschaft nutzt Schloss und Park weiterhin für Feiern und Konzerte. 

Text: Paul Land, Foto: Sandra Abend

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenDie Webredaktion des Instituts für Kunstgeschichte