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Büro komplex – Die Kunst der Artothek im politischen Raum
70 Jahre Künstlerförderung in NRW
Ausstellungsbesuch im kunsthaus nrw kornelimünster am 30. Oktober 2018

Seit 1948 erwirbt das Land Nordrhein-Westfalen Werke von Kunstschaffenden, die in der NS-Zeit entrechtet wurden sowie von jungen Künstlerinnen und Künstlern, um diese zu unterstützen. Die Sammlung umfasst heute rund 4000 Werke, sie dokumentiert die Kunstentwicklung der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart.
Das Kunsthaus NRW ist in der barocken Residenz des Abtes der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster bei Aachen untergebracht. Es stellt seine Kunstwerke den Ministerien und Behörden des Landes leihweise für die repräsentative Ausstattung ihrer Büroräume zur Verfügung. Als „Kunst im Kontor“, in Räumen, in denen gestaltet und verwaltet wird und in denen Politik gemacht wird und in denen die Kunst nur Nebensache, oft nur Requisite ist. Gut ein Fünftel der Sammlung ist ausgeliehen; jeder Machtwechsel in Düsseldorf hat eine lebhafte Tauschaktion zur Folge. Es gibt auch Ladenhüter, die nie ausgeliehen wurden, z. B. ein Gemälde von Bruno Goller „Altar in einem Gefangenenlager“.
Dr. Emmanuel Mir, Förderpreisträger des Freundeskreises, führt uns durch die Sonderausstellung zum 70jährigen Bestehen der Sammlung. Unter dem Titel „Büro komplex“ werden chronologisch die Parallelen zwischen Kunst, Büro und Politik von der Gründung der Sammlung 1948 bis heute vorgestellt. Parallel zum politischen Wandel, zum gesellschaftlichen Diskurs und zu den Veränderungen in der Arbeitswelt entwickelte sich auch die Kunst weiter.
Der Rundgang führt vorbei an Schreibtischen, auf dem Kleinplastiken stehen. Die bronzene „liegende Kuh“ von Ewald Mataré hat auf ihrer Stirn durch vieles Anfassen ihre Patina verloren. Es folgen Ausstellungsräume, die als Büros ausgestaltet sind, vom Büro der 1960er Jahre mit viel Holz über Schreibzellen in Großraumbüros bis hin zu atelierähnlichen Bürolandschaften. Die Zusammenstellung des gerade modischen Bürodesigns mit den ausgewählten Kunstwerken lässt die jeweilige Epoche vor uns entstehen.
Die Ausstellung zeigt Skulpturen, Gemälde, Fotos und Installationen, unter anderem Frühwerke von Ewald Mataré, Emil Schumacher, Ernst Wilhelm Nay, Günter Uecker, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Josef Beuys und Gerhardd Hoehme. Mit vielen anderen Künstlern haben sie die Kunstszene des Landes Nordrhein-Westfalen entscheidend geprägt und die internationale Entwicklung der Kunst seit 1945 beeinflusst.
Der Bogen spannt sich von Landschaftsbildern und Stillleben über die informelle Malerei der 1950er Jahre, die als Ausdruck der westlichen Demokratie interpretiert wurde, dann weiter über die explizit politische Kunst der 1960er und 1970er Jahre als Reaktion auf die fortbestehenden autoritären Machtstrukturen bis hin zur Digitalisierung mit medialen Experimenten in der Kunst der Gegenwart.
Herzlichen Dank an Dr. Emmanuel Mir für die spannende Führung und an Monika Siepe für die Organisation!

(Paul Land)

 

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