27.11.17 16:14

Buchvorstellung: „Der schöne Mensch und seine Bilder“

Dr. Sandra Abend und Prof. Dr. Hans Körner (v.l.n.r.) (Foto: Anna Schwartz)

Im November erscheint im Münchener morisel Verlag Der schöne Mensch und seine Bilder, herausgegeben von Sandra Abend und Hans Körner. Der Band hat den Körperdiskurs im „Bild“ zum Inhalt und lockt dabei mit zahlreichen Rückblicken in die Kultur- und Kunstgeschichte.
Was macht einen Menschen zu einem schönen Menschen und seinen Körper zu einem schönen Körper? In einer Zeit, in der das Regulativ der „Natürlichkeit“ längst aufgegeben wurde und in der Schönheitsideale inzwischen digital produziert werden, stellt sich die Frage nach den soziokulturellen, medizinischen und medialen Konstruktionsbedingungen von Schönheitsidealen ganz neu. Welchen Anteil nehmen Bilder an der Formatierung und an der Demontage von Schönheitsvorstellungen, wie agieren und wie reagieren sie? All diese Fragen haben sich Kunst- und Kulturwissenschaftler, Philosophen und Fotoexperten gestellt und aus unterschiedlichen Perspektiven beantwortet.
So macht Jörg Scheller am Beispiel des Bodybuildings deutlich, warum die Rede vom Schönheitswahn „unterkomplex“ ist und alternative Körperkulturen mehr Aufmerksamkeit verdienen. Kunsthistorisch vermessen wird der geformte Mensch im Beitrag „Natürliche“ Körper und modellierte Körper. Das Korsett in der französischen Skulptur des 19. Jahrhunderts von Hans Körner zu einem bisher weitestgehend unerforschten Thema, das in seiner Folge heute aktueller scheint denn je.
Klaus Honnef beschäftigt die persönliche Frage Wie hätte ich anstelle von Paris entschieden? Die Antwort wird zu einem grandiosen Ritt durch die Kunst- und Filmgeschichte. Kreativität als Pflicht, so lautet der Titel des Aufsatzes von Wolfgang Ullrich, in dem er den Leser überzeugt, dass manche Venusdarstellungen der Renaissance im Sinne der Familienplanung konzipiert und verwendet wurden. Sie dienten also als Anregung für die eigene Schönheit. In Chrysalis und Imago. Die Metamorphosen im Bildkonzept der Marilyn Monroe beschreibt Michael Ebert, warum Fotografen im Leben des Megastars viel wichtiger waren als Regisseure und wie eine der größten Fotoikonen des 20. Jahrhunderts entstand. Einen weiteren Ausflug ins Cineastische bietet Angela Stercken mit Sex Sells: Obsessionen von Schönheit und Technik im Spielfilm der 1960er Jahre. Manja Wilkens betitelt ihren Beitrag mit der Frage: Muss eine Bundeskanzlerin schön sein? Darin zeichnet sie das Inszenierungskonzept von Angela Merkel nach. In Marianne – Von nationaler Heldin zur erotischen Identifikationsfigur visualisiert Sandra Abend den Verlebendigungsprozess der schönen, machtvollen französischen Personifikation der Freiheit. Schönheit und Arbeit – ein Paradox? Ob das so ist, diskutiert Dieter Birnbacher in seinem Aufsatz.
Die interdisziplinären Beiträge des Buches bekräftigen die Erkenntnis, dass Schönheitsideale machtvoll sind, in einer Zeit, in der ein expressiver Körperkult stärker ausgeprägt scheint als je zuvor.
Von den Herausgebern erschien im gleichen Verlag 2015: Vor-Bilder – Ikonen der Kulturgeschichte. Vom Faustkeil über Botticellis Venus bis John Wayne.


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