Event

Title:
Ringvorlesung Teil II „Die Bonner Republik. Forschung – Diskurs – Öffentlichkeit“

Date / Time:
18.01.18 - 18.10.18   /  17:00 - 18:00

Description:

Die Bonner Republik ist, daran erinnern uns aktuell die Nachrufe auf Helmut Kohl und Heiner Geißler, als eine Zeit des Wiederaufbaus und beginnender Prosperität in das regionale und das politisch-nationale Gedächtnis eingegangen. Doch hält diese Gesamtperspektive auf den abgeschlossenen Zeitraum einer kritischen Betrachtung stand? Welche Erkenntnisse lassen sich für die Zukunft aus den Positionen gewinnen, die in der Bonner Republik für Furore gesorgt haben und heute Teil unserer Gegenwart sind?
Seit einem Jahr arbeitet ein Forschergruppe der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Thema und bindet jeweils im Wintersemester die Forschungsperspektiven in eine Ringvorlesung ein, die, an verschiedenen Orten in der Stadt Düsseldorf, den Dialog mit der Öffentlichkeit sucht. Im Wintersemester 2017/18 widmet sich unsere Ringvorlesung „Die Bonner Republik. Forschung - Diskurs - Öffentlichkeit“ den 1960er und 1970er Jahren. Forscher aus der Germanistik sowie den Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaften referieren zu ausgesuchten Themen.
Kooperationspartner sind neben der Stadt Düsseldorf die Veranstaltungsorte: Forum Freies Theater, Goethe Museum Düsseldorf/Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung, Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Stadtbüchereien Düsseldorf.

Prof. Dr. Winfrid Halder: In Deutschland überflüssig? Alfred Döblin und die Bonner Republik (Haus der Universität)

Alfred Döblin (1878-1957) war bereits im November 1945 wieder in Deutschland. Damit war er der erste deutsche Schriftsteller von Weltrang, der aus dem Exil zurückkehrte, um beim kulturellen Wiederaufbau des nach 12 Jahren NS-Diktatur in jeder Beziehung verheerten Landes mitzuhelfen. Döblin, der insbesondere nach dem Erscheinen seines erfolgreichsten Romans „Berlin Alexanderplatz“ (1929) als aussichtsreicher Kandidat für den Literaturnobelpreis galt, war im Februar 1933 zunächst in die Schweiz, später weiter nach Frankreich und in die USA emigriert.
Eigentlich hätte man sich in Westdeutschland glücklich preisen müssen, dass ein so prominenter Autor wie Döblin nicht nur wieder da, sondern auch nach Kräften bemüht war, sich in den Dienst eines Neubeginns zu stellen. Gleichwohl wurden die folgenden Jahre für Döblin zu einer bitteren Enttäuschung, und zwar sowohl was seine politischen Hoffnungen wie auch was seine Wahrnehmung als immer noch höchst produktiver Autor anging. Vollständig desillusioniert verließ er die junge Bundesrepublik 1953 und ging wieder nach Paris. An den mit ihm persönlich gut bekannten ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss schrieb er zum Abschied, er sei „in Deutschland überflüssig“.
Warum stieß Döblin auf so viel Unverständnis und Ablehnung? Weil er jüdischer Herkunft und der Antisemitismus untergründig noch immer virulent war? Weil man dem in der Weimarer Republik als bekennender „Linker“ bekannten Autor mißtraute, wenngleich sich Döblin von früheren politischen Positionen distanzierte und inzwischen bekennender Katholik war? Weil man ihn als „Besatzer“ wahrnahm, da Döblin seit 1936 französischer Staatsbürger und seit 1945 zunächst Mitarbeiter der Militärregierung in der französischen Besatzungszone war? Weil er, politischen Differenzen zum Trotz, Kontakt hielt zu alten Freunden, die jetzt in der DDR prominente Rollen spielten, nämlich zu Bert Brecht und Johannes R. Becher?
Der Vortrag geht folglich der Grundfrage nach, warum sich Alfred Döblin in der jungen „Bonner Republik“ fehl am Platze fühlen mußte.

Image:

Zurück

Responsible for the content: E-MailDie Webredaktion des Instituts für Kunstgeschichte